Pilotprojekt in Kaufbeuren
Landwirtschaftsschule - neue Wege in der Fortbildung

Das Staatsministerium startete im Herbst 2020 ein Pilotprojekt, in dem die Inhalte der Landwirtschaftsschule (LWS) sowie die Weiterbildungsmöglichkeiten zum Meister bzw. zum Agrarbetriebswirt an den Höheren Landbauschulen (HLS) intensiv aufeinander abgestimmt und miteinander verknüpft werden. Eine Pilotschule ist die Landwirtschaftsschule Kaufbeuren.

In Kaufbeuren ist vorgesehen, die Landwirtschaftsschule in einem Block von zehn Monaten, statt wie bisher in zweimal fünf Monaten über zwei Winterhalbjahre hinweg zu absolvieren. Mit dem Konzept wird die Gesamtausbildungsdauer im Vergleich zum jetzigen System um ein Jahr verkürzt. Ziel ist es, den Unterrichtsstoff zu entzerren und mehr Möglichkeiten zur praktischen Anwendung des Erlernten zu schaffen. Persönlichkeitsbildung, Kommunikationstraining, Projekt- und Seminarunterricht spielen eine wichtige Rolle.

Voraussetzungen

Aufnahmevoraussetzungen sind

  • ein Berufsabschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf der Landwirtschaft sowie
  • zusätzlich ein Jahr einschlägige Berufspraxis.
Praxisjahr

Das sogenannte Praxisjahr ist dem Besuch der Landwirtschaftsschule vorgeschaltet und wird von den Lehrkräften der Landwirtschaftsschule betreut. Es dient dazu, Erfahrungen auf dem Betrieb zu sammeln und betriebseigene Daten und Unterlagen für den anstehenden Schulbesuch vorzubereiten. Dazu finden während des gesamten Jahres mehrere Veranstaltungen statt.

Ablauf und Abschluss

Die Ausbildung umfasst ein Schuljahr mit insgesamt 40 Unterrichtswochen in Vollzeitform. Zudem finden über das Schuljahr verteilt 15 Praxisschultage statt, in denen auch landwirtschaftliche Betriebe produktionstechnisch begleitet werden. Wer das Schuljahr besteht, darf die Berufsbezeichnung "Staatlich geprüfter Wirtschafter/Staatliche geprüfte Wirtschafterin für Landbau" führen.

Unterrichtsfächer
  • Landwirtschaftlicher Pflanzenbau
  • Landwirtschaftliche Tierhaltung
  • Betriebslehre
  • Unternehmensführung
  • Steuer- und Sozialrecht
  • Berufsausbildung und Mitarbeiterführung
  • Seminar zu sozialer und religiöser Bildung
  • Landmaschinenseminar
  • Tiergesundheit und Tierschutz
  • Naturschutz- und Landschaftspflege
  • Waldwirtschaft mit Seminar Waldbau
  • Rechtslehre
  • Marktlehre und Agrarpolitik
  • Rhetorik, Gesprächsführung und Präsentation
Meisterprüfung

Studierende der Landwirtschaftsschule, die vor Schulbeginn eine mindestens einjährige Berufspraxis abgeleistet haben, können zusammen mit der Abschlussprüfung der Landwirtschaftsschule Teile der Meisterprüfung ablegen. Die weiteren Teile der Meisterprüfung werden im Anschluss an die Landwirtschaftsschule abgelegt.

Anmeldung

Das Schuljahr startet jeweils im Wintersemester. Anmeldung für den Besuch der Landwirtschaftsschule ist in der Regel ein Jahr vor dem gewünschten Schulstart nötig.

Aufnahmeantrag Landwirtschaftsschule (PDF) - Staatsministerium Externer Link

Schulleben

Erfolgreicher Abschluss 2020

15 Studierende an der Landwirtschaftsschule Kaufbeuren haben im März 2020 erfolgreich die dreisemestrige Weiterbildung zum "Staatlich geprüften Wirtschafter für Landbau" gemeistert. Damals mussten die Absolventen auf ihre große Schulschlussfeier mit ihren Familien und Ehrengästen verzichten. Doch war es allen Beteiligten ein Anliegen, eine Verabschiedung in geeigneter Weise nachzuholen. Denn es gab Anlass genug, stolz zu sein auf das in der Vergangenheit Geleistete. Alle 15 Absolventen haben mit teils sehr guten Leistungen abgeschlossen.
Arbeitsprojekt für die Meisterprüfung

Derzeit stehen fast alle Absolventen in der Weiterbildung zum Landwirtschaftsmeister. Nachdem bereits viele Prüfungsinhalte im Laufe der Landwirtschaftsschule abgelegt worden waren, ist für den erfolgreichen Abschluss der Meisterprüfung nur noch das sogenannte Arbeitsprojekt fertig zu stellen. Im Rahmen dieses Projekts werden für den Betrieb wichtige Produktionsverfahren im pflanzlichen oder tierischen Bereich verglichen und bewertet. Auch dazu liefert die Landwirtschaftsschule die notwendigen Grundlagen.

Verbraucherdialog: Miteinander statt übereinander reden

Unter diesem Motto standen im März 2020 15 Studierende des dritten Semesters der Landwirtschaftsschule Kaufbeuren in zwei Gruppen der 10a und 10e des Jakob-Brucker-Gymnasiums in Kaufbeuren Rede und Antwort. Ziel war es, den Schülern einen Überblick über die Arbeit der jungen Landwirte auf ihren Betrieben zu vermitteln und den Dialog untereinander zu fördern.

Landwirtschaftschüler im Gymnasium

Junge Landwirte lassen es blühen

Die Studierenden der Landwirtschaftsschule Kaufbeuren setzen auf ihren Betrieben beispielgebende Maßnahmen zur Biodiversität um. Mit der Errichtung eines Bienenstandes auf dem Gelände des AELF Kaufbeuren soll auf die Vielfalt ihrer Aktivitäten hingewiesen werden, die im Austausch mit Verbrauchern und Berufskollegen vorgestellt wurden. Damit wollten die Studierenden dazu motivieren, selbst Maßnahmen für mehr Biodiversität umzusetzen.
Im Dezember 2019 gab es für dieses Engagement Silber für die Studierenden beim Wettbewerb "Erzeugung gestalten, Arten erhalten" des Staatsministeriums.

Erfolgreiches Sommersemester 2019

Zum erfolgreichen Abschluss des Sommersemesters blickten Schulleiter Dr. Paul Dosch gemeinsam mit Katharina Wallach und Klara Aigner auf das inhaltlich gelungene Schulhalbjahr zurück. Bei Exkursionen an 15 Schultagen erhielten die Studierenden Einblick in die Praxis.
Ziel war, praxisgerechtes Wissen in der umwelt- und tiergerechten Produktions- und Verfahrenstechnik zu vertiefen. Vom Besuch eines Schlachthofes über das Beachten von Kuhsignalen bis hin zu Betriebsbesichtigungen erstreckte sich das Angebot. Ein Höhepunkt war die Präsentation eines Projektes zur Biodiversität über Facebook in Verbindung mit dem Bau eines Bienenfreiständers.
Der eigene Betrieb im Mittelpunkt
Außerdem mussten die 17 Studierenden neben einer Dokumentation über ihren Betrieb auch eine Projektarbeit auf ihren Betrieben durchführen. Im Mittelpunkt dabei standen eine intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Betrieb bis hin zu einer ersten Schwachstellenanalyse, eine detaillierte Erfassung von Leistungs- und Kostendaten, die Beurteilung der Buchführungszahlen in Deckungsbeiträgen und deren kritische Bewertung.

Erfolgreicher Abschluss der Landwirtschaftsschule

Nach einem gemeinsamen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Jakobus in Ruderatshofen konnten 18 Studierende der Landwirtschaftsschule Kaufbeuren im Rahmen der Schulschlussfeier verabschiedet werden. Ab sofort dürfen sich 17 junge Landwirte und eine junge Landwirtin "Staatlich geprüfter Wirtschafter bzw. geprüfte Wirtschafterin für Landbau" nennen. Eine Vielzahl an Ehrengästen drückten durch ihre Teilnahme an der Abschlussfeier aus, wie wichtig ihnen die Landwirtschaft ist und welchen Stellenwert sie im Landkreis hat.
Einen fachlichen Ausblick für die Meisterkandidaten gab Simon Schmid aus Baisweil. Er berichtete von seinem geplanten Arbeitsprojekt zum Anbau von Sojabohnen im Ostallgäu, mit dem er klären will, ob ein wirtschaftlicher Anbau im Landkreis eine Alternative zu herkömmlichen Eiweißpflanzen ist. Ein humorvoller, bebilderter Rückblick von Benedikt Fröhlich-Erhart auf die zurückliegende Schulzeit weckte die eine oder andere Erinnerung. Gleichzeitig beendeten 17 Studierende erfolgreich das erste Semester. Schulleiter Dr. Paul Dosch konnte damit an der Landwirtschaftsschule Kaufbeuren mit dem 120. Schulwinter ein kleines Jubiläum beschließen.

Kontakt

Landwirtschaftsschule, Abteilung Landwirtschaft
Schulleiter: Dr. Paul Dosch
Am Grünen Zentrum 1
87600 Kaufbeuren
Tel.: 08341 9002-1000
E-Mail: poststelle@aelf-kf.bayern.de

Sachaufwandsträger

Landkreis Ostallgäu
Schwabenstr. 11
87616 Marktoberdorf
Internet: www.landkreis-ostallgaeu.de Externer Link