Lückenschluss im Pfrontener Schutzwald

Pflanzaktion am Kienberg: 4.000 junge Bäume werden in den sturmgeschädigten Gemeindewald Pfronten gesetzt.

Sorgfältig pflanzt Forstwirtschaftsmeister Thomas Bader die kleine Tanne in eine Lücke zwischen Totholz und Steinen. „In diesem felsigen Steilhang ist es für die jungen Bäume überlebensnotwendig, dass sie einen geschützten Kleinstandort mit möglichst viel Wurzelraum erhalten“, erklärt Lothar Poltmann von der Allgäuer Fachstelle für Schutzwaldmanagement. Sie werden sonst schnell Opfer von Trockenheit oder rutschenden Schneemassen. Oberhalb der Ortsteile Pfronten-Dorf und Heitlern pflanzen die Waldarbeiter rund 4.000 junge Bäume auf eine große Kahlfläche am Kienberg, darunter Tannen, Buchen, Lärchen, Vogelbeeren, Fichten, Mehlbeeren und Zirben. Die Pflanzen mussten zuvor mit dem Hubschrauber auf die schwer zugängliche Steilfläche geflogen werden.

Rückblick

Ende Oktober 2018 bläst der Föhnsturm „Vaia“ mit enormen Windstärken über die Alpen. Die Ausläufer des Sturms erreichen auch das Allgäu und knicken und entwurzeln im Bergwald zahlreiche Bäume. Besonders schlimm hat es den Pfrontener Gemeindewalddistrikt „Ascha“ an der Nordostseite des Kienbergs erwischt. Die geworfenen Fichten liegen dort wie überdimensionale Mikado-Stäbe übereinander. Im Frühjahr 2019 befällt der Borkenkäfer die geschädigten Bäume und bedroht auch den umliegenden, noch intakten Schutzwald. Unter schwierigsten Bedingungen werden deswegen nach der Schneeschmelze die befallenen Fichten aufgearbeitet und mit einem Lastenhubschrauber ins Tal geflogen. Zurückbleibt eine 1,5 Hektar große Kahlfläche mit umgekippten Wurzelstöcken und losen Felsen, die nun wieder bepflanzt wird.

Die Wiederherstellung der Schutzfunktion hat oberste Priorität

Bürgermeister Alfons Haf, Forstdirektor Simon Östreicher und Förster Sebastian Baumeister besichtigen die Pflanzfläche und sind mit den Arbeiten sehr zufrieden. „In dieser extremen Lage müssen wir der Natur mit der Pflanzung eines artenreichen Schutzwaldes unter die Arme greifen“ stellt Östreicher fest. Die natürliche Wiederbewaldung würde viele Jahrzehnte dauern und mit Pech entsteht wieder ein schadanfälliger Fichtenreinbestand. Bürgermeister Haf ergänzt: „Wir müssen in diesem Teil des Gemeindewalds schnellstmöglich wieder die Schutzfunktion herstellen, da nur ein intakter Bergwald unsere Bürger zuverlässig vor Steinschlag, Hangrutschungen und Lawinen schützt.“